Frage Vellum

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4 Monate 1 Woche her - 4 Monate 1 Woche her #132 von Karin B.
Vellum wurde erstellt von Karin B.
Vor kurzem wurde hier im Forum ein Video zum limp Vellum binding  vorgestellt. Ist interessant, aber ich habe es nicht so ganz verstanden, wofür das binden mit Vellum Sinn macht. Normalerweise hat man doch Graupappe für die beiden Buchdeckel.
Könnte man da noch zusätzlich anderes Material für den Einband verwenden oder ist das dann fertig mit dem Vellum?

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Letzte Änderung: 4 Monate 1 Woche her von Karin B..

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4 Monate 1 Woche her #133 von Buchbube
Buchbube antwortete auf Vellum
Hallo Karin,

"limp vellum bindings" heißen im Deutschen Koperte (oder Kopertbände) und sind eine historische Gebrauchsbindetechnik (manche nennen sie auch "provisorisch") auf der Basis von Pergament, die immer noch viele sehr fasziniert - möglicherweise weil alles, was mit dem Mittelalter zu tun hat, einen gefühlten Dauer-Hype hat.

In der allgemeinen Handbuchbinderei scheinen mir Koperte aber eher eine ästetische Rolle spielen. Pergament ist ein sehr teueres Material, zudem sind diese Bände m. E. nach nicht so robust wie andere Bindungen.

Im konservatorischen Bereich sind Kopertbindungen aber aus verschiedenen Gründen immer noch sehr wichtig, besonders wenn es sich um Bücher aus dem Mittelalter oder "Aktenbindung" (= stationery binding, man beachte das "e" in "stationery", das ist kein Tippfehler ) handelt.

Ich persönlich finde die Technik recht hübsch, man kann Pergament aber auch durch andere Materialien mit ähnlichen Eigenschaften (wie bspw. Karton +/- 200 g/qm) ersetzen, dann funktioniert die Technik meist immer noch und hält sich preislich im Rahmen.

Grüßle vom

Buchbube

 

Think twice - cut once! ;-)
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4 Monate 1 Woche her #134 von theo
theo antwortete auf Vellum
Pergament so um ein Buch gebunden fühlt sich vermutlich an wie in Folie eingebunden. Ist stabil aber irgendwie schlabbrig. Für Bücher die man mit sich schleppt ist das sicher gut. Leicht und passt sich wie ein Geldbeutel an.
Kann man auch aus richtig festem, dickem Leder machen.
Taschenbuchfeeling halt.
Unsere "Hausbücher" sollen ja eher rumstehen, drum der feste Umschlag aus Pappe oder gar Holz.
Pergament ist mir aber bisher auch zu teuer gewesen. Ist kein Massenprodukt und um ein paar Prozesse wie Gerbung etc weniger unterworfen, aber weil's kaum mehr wer will ist es halt teuer.
Wenn du mal einen großen Fisch mit Haut hast, mach dir selbst ein Stück wie Peter das immer macht.
 

theo
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4 Monate 1 Woche her #135 von Karin B.
Karin B. antwortete auf Vellum
Dann wird das bestimmt nicht mein Favorit. Ich mag stabile Einbände. Vor allem, weil man die damit gebundenen Bücher auch richtig hinstellen kann. Aber interessant ist es allemal. 

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4 Monate 1 Woche her - 4 Monate 1 Woche her #136 von Peter Verheyen
Peter Verheyen antwortete auf Vellum
Nur so ein paar Gedanken zum Thema Vellum = Pergament, wird aber generell fur ungegerbte Häute von Kälbern benutzt.Buchbube hat Recht mit Koperte, ist aber auch etwas komplizierter. Ein besserer Ausdruck für, dass was im Video gezeigt wurde ist flexibler Pergamenteinband. Die waren auch nicht "provisorisch", haben sich sogar viel besser gehalten als Ledereinbände. Dies kam sehr graphisch in den Flogen der Flut in Florenz (1968) zur Sicht. Unter Konservatoren/Restauratoren sind sie seit der Flut besonders beliebt weil unheimlich reversible ... Oft werden auch stärkere handgeschöpfte Papiere benutzt. Die sind auch kosten günstiger.Pergament ist teurerer als gutes Leder, ist aber für mich das "edelste"  Einbandmaterial mit seiner schlichten Schönheit. Geht genauso gut für flexible Einbände wie Feste mit Pappen... Bei Letzteren muss man aber auf die Zugkraft achten, die lässt sich aber gut kontrollieren. Die Decke die ich gelernt habe ist bei works.bepress.com/peter_verheyen/5/download/ beschrieben (auf English)."Hinstellen" kann man die Flexiblen auch, genau so wie Taschenbücher. 😉

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4 Monate 1 Woche her - 4 Monate 1 Woche her #139 von Peter Verheyen
Peter Verheyen antwortete auf Vellum
Was Koperten und flexible Pergmanteinbände betrifft, so wurde ich mal eingeladen um einen dieser für eine Ausstellung zu "interpretieren" . In der Vorlage wurden zwei "Formate" und Heftarten verwendet (siehe unten).

 

Ich habe daraus ein dos-a-dos gemacht ...



Interpretation von, Mandatorum Exitus, 1589, Lelio Buccapadulio Camerari, ein italienischer Einband im Stil eines Taschenbuchs aus dem Jahr 1579. Die Interpretation basiert auf einem von den Canonici Sancti Petri, den Priestern, die in St. Peter zelebrieren, erstellten Hauptbuch. Der "Camerarius / Camerlengus" oder Verwalter war in diesem Fall Lelio Buccapadulio. Das Register verzeichnet die Zahlungen, Quittungen und andere Informationen für die Feiern der Cononici Sancti Petri in den Jahren 1587-1590.

Dos-a-dos-Einband aus Pergament; der erste Textblock ist auf 3 mit Alaungegerbtenleder bespannte Lederbänder genäht; der zweite Textblock besteht aus einzeln gehefteten Heftchen in Papierumschlägen mit Pergamentrücken; die Flugblätter sind auf 2 geschlitzte Lederbänder geheftet; beide Textblöcke sind mit Pergamentriemen in den Umschlägen befestigt; die Lederriemen an den Vorderkanten werden mit Pergamentriemen fixiert. 23 x 16,5 x 7 cm. Gebunden 2011.

In meiner Interpretation dieses Einbands habe ich Pergamentfragmente und -blätter benutzt, die Ausgaben und Einnahmen für meine eigene private Buchbinderei zeigen und die in einer Schriftart gedruckt wurden die auf einen Florentinischen Manuskript von 1601 basiert.

Die einzelnen Arbeitsabläufe kann man hier sehen.

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